Roven will vergessen. Der sechsundvierzigjährige Kesselarbeiter verkauft die Erinnerung an einen schweren Arbeitsunfall, weil seine Mietschulden keinen Aufschub dulden. In Lethane ist das kein Bild, sondern ein Geschäft: Erinnerungen lassen sich aus einem Kopf herausreißen, in eine Münze pressen und ausgeben.
Seit Monaten reißt dieselbe Nacht Roven aus dem Schlaf. Im Mnemonicum soll sie endlich verschwinden. Doch unter der Kupferplatte kippt die Sache. Roven beginnt um etwas zu kämpfen, das er selbst zur Entnahme freigegeben hat.
Genau darin liegt der schmerzhafte Kern dieser kurzen Geschichte: Eine Erinnerung kann in Lethane einen Preis haben, aber ihr Wert lässt sich offenbar nicht so einfach festlegen. Roven braucht das Geld. Er will die Nacht loswerden. Und trotzdem scheint selbst eine verkaufte Erinnerung noch zu ihm zu gehören.
„Eine Nacht ohne Bilder“ erzählt damit keinen großen Ausbruch und keinen Kampf um die Zukunft der Stadt. Die Geschichte bleibt bei einem einzelnen Mann und einer Entscheidung, die vernünftig wirken muss, solange man nur auf die Rechnung schaut. Erst im Mnemonicum zeigt sich, was diese Rechnung verschweigt: Vielleicht ist Vergessen keine Befreiung, wenn man dabei auch um den Teil von sich ringen muss, den man loswerden wollte.
Wie viel darf eine Erinnerung kosten, bevor der Preis zu hoch wird?
