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Rorik und die ordnungsgemäße Piraterie

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Rorik und die ordnungsgemäße Piraterie

Rorik hatte Kanonenfeuer erlebt, brennende Floater gesteuert und einmal drei Nächte in einem Laderaum verbracht, während über ihm ein schlecht gelaunter Kapitän nach dem Mann suchte, der seine Schiffskasse gestohlen hatte.

Nichts davon hatte ihn auf das Hafenamt von Arkopolis vorbereitet.

Seit beinahe einer Stunde saß er im Büro der Oberinspektorin Elsbeth Crane. Vor ihm erhob sich ein wachsender Stapel aus Formularen, Zusatzblättern und Erklärungen, deren bloßer Anblick ihm körperliche Beschwerden bereitete. Drei schwere Stempel standen in einer Reihe am vorderen Rand des Schreibtischs. Keiner von ihnen hatte bisher auch nur die Nähe eines Stempelkissens gesehen.

Hinter der breiten Fensterfront schwebte die Copper-Hydra am Sky-Dock. Ihr gewaltiger kupferner Rumpf nahm fast die gesamte Aussicht ein. Aus den beiden Schornsteinen stieg dunkler Rauch, der an den Verstrebungen des Docks entlangzog. Die aufgerissenen Metallkiefer am Bug glänzten im trüben Tageslicht.

Rorik fand, dass sie dort ausgesprochen würdevoll lag.

Oberinspektorin Crane teilte diese Einschätzung offenbar nicht.

„Auf Ihrem letzten Liegeplatz“, sagte sie, ohne den Blick von den Unterlagen zu heben, „befindet sich ein knapp zwei Meter langer Abdruck im Mauerwerk.“

Rorik lehnte sich tiefer in den Stuhl. Das Holz knarrte unter seiner Bewegung, doch er schenkte ihm keine Beachtung. „Die Dockmauer wies bereits vorher erhebliche bauliche Schwächen auf. Mein Floater hat diese lediglich sichtbar gemacht. Im Grunde haben wir dem Hafenamt damit einen kostenlosen Sicherheitsdienst erwiesen.“

Crane führte einen Finger über eine Zeile. Ihr graues Haar war so streng zu einem Knoten gebunden, dass Rorik vermutete, selbst ein Sturm würde sich gut überlegen, ob er daran etwas verändern wollte.

„Der Bericht spricht von einem Rammsporn.“

„Die Copper-Hydra besitzt keinen Rammsporn. Das ist ein dekorativer Bug.“

Zum ersten Mal hob die Oberinspektorin den Blick. Durch die schmalen Gläser ihrer Brille betrachtete sie erst ihn und danach das metallene Maul, das direkt hinter seinem Kopf im Fenster zu sehen war.

„Der dekorative Bug hat sechsundzwanzig Zähne.“

„Sechsundzwanzig hervorragend gepflegte Zähne.“

Crane legte den Bericht zur Seite und zog das nächste Formular heran. „Wie möchten Sie Ihr Fahrzeug eintragen lassen?“

Rorik verschränkte die Hände über seinem Gürtel. „Als unabhängigen Frachtfloater mit erweitertem Einsatzgebiet.“

„Bewaffnung?“

„Angemessene Mittel zur Ladungssicherung.“

„Zwölf schwenkbare Geschütze.“

„In manchen Gegenden ist die Ladung sehr entschlossen, sich selbst zu entladen.“

Die Oberinspektorin tauchte ihre Feder in die Tinte. Ihr Gesicht verriet weder Ärger noch Belustigung. Rorik empfand das als persönliche Herausforderung.

„Besatzungsstärke?“

„Das hängt davon ab, wen Sie fragen. Ich beschäftige fünfundzwanzig zuverlässige Leute.“

Crane blätterte in einem zweiten Bericht. „Bei der letzten Kontrolle befanden sich zweiundvierzig Personen an Bord.“

„Die übrigen siebzehn waren Gäste.“

„Sie schliefen in Hängematten und erhielten Sold.“

„Meine Gastfreundschaft ist weithin bekannt.“

Hinter Rorik knarrte Holz.

Er ließ sich nichts anmerken.

Die große Transportkiste stand unmittelbar neben der Tür. Zwei eiserne Bänder umschlossen ihren dunklen Korpus, und auf dem Deckel lagen drei schwere Ketten. Rorik hatte sie selbst befestigt. Er war sich ziemlich sicher gewesen, dass sie halten würden.

Die Kiste knarrte erneut.

Crane sah daran vorbei, ohne den Kopf zu bewegen. „Was befindet sich dort?“

„In der Kiste?“

„Ich gehe davon aus, dass die Wand dahinter keine Geräusche macht.“

Rorik warf einen beiläufigen Blick über die Schulter. Zwischen Deckel und Kistenrand war ein schmaler Spalt entstanden. Zwei bernsteinfarbene Augen beobachteten ihn aus der Dunkelheit.

Er räusperte sich und wandte sich wieder dem Schreibtisch zu. „Die Kiste ist leer. Das Holz arbeitet bei wechselnder Luftfeuchtigkeit.“

Ein tiefes Grollen vibrierte durch den Raum. Die Tintenoberfläche im Glas zitterte, und einer der Stempel rückte ein kleines Stück über den Tisch.

Oberinspektorin Crane nahm ihn und stellte ihn an seinen Platz zurück. „Das Holz besitzt eine bemerkenswert kräftige Stimme.“

„Es stammt aus Greywake.“

„Dann werde ich künftig darauf achten, dort keine Möbel zu kaufen.“

Die Feder glitt weiter über das Papier. Rorik musterte sie und versuchte herauszufinden, wie nah sie der Entscheidung über seine Liegegenehmigung bereits gekommen war. Bis jetzt hatte sie jeden Bogen sorgfältig ausgefüllt, danach jedoch auf einen separaten Stapel gelegt. Der Stapel trug die Aufschrift ungeklärt. Rorik konnte sie auf dem Kopf lesen und empfand die Bezeichnung als unnötig wertend.

„Kommen wir zu Ihrer Tätigkeit“, sagte Crane. „Welche Art von Fracht transportieren Sie gewöhnlich?“

„Alles, was einen Käufer hat und sich tragen lässt.“

„Damit haben Sie die Frage sehr weit umfahren.“

Rorik lächelte. „Meine Arbeit führt mich in Gegenden, in denen feste Handelslisten kaum praktikabel sind. Ich beschaffe seltene Waren, übernehme schwierige Lieferungen und bringe Dinge von Orten fort, an denen sie nicht länger bleiben sollten.“

„Die letzten drei Anzeigen bezeichnen diese Tätigkeit als Schmuggel.“

„Anzeigen werden meist von Menschen geschrieben, die bei einer Verhandlung zu langsam waren.“

Crane lehnte sich zurück. „Herr Rorik, ich benötige eine Berufsbezeichnung, die in eines der vorgesehenen Felder passt. Wenn Sie mir keine nennen, verwende ich die Bezeichnung, die bereits in vier anderen Hafenregistern neben Ihrem Namen steht.“

Rorik konnte sich vorstellen, welches Wort sie meinte. Er legte eine Hand auf die Brust und gab seiner Stimme den warmen Ernst, der schon deutlich schwierigere Verhandlungen gerettet hatte.

„Schreiben Sie selbstständiger Logistikdienstleister.“

Crane hielt die Feder über dem Formular. „Mit Geschützen.“

„Die Branche ist anspruchsvoll.“

„Und einem bewaffneten Floater, der unter sechs verschiedenen Flaggen registriert wurde.“

„Ich pflege internationale Beziehungen.“

„Drei dieser Flaggen waren zum Zeitpunkt der Registrierung gestohlen.“

„Dann besaßen ihre vorherigen Eigentümer keinen Sinn für internationale Zusammenarbeit.“

Das Grollen in der Kiste wurde lauter.

Rorik trat mit dem Absatz nach hinten und stieß gegen die untere Holzplanke. Für gewöhnlich reichte das Geräusch aus, um den Bewohner daran zu erinnern, dass Diskretion eine Tugend war. Dieses Mal antwortete etwas im Inneren mit einem dumpfen Schlag.

Der Deckel hob sich um mehrere Fingerbreit.

Eine Kette rutschte über das Holz.

Oberinspektorin Crane legte die Feder hin. „Bevor wir uns Ihrer offenbar sehr erfolgreichen Laufbahn als Logistikdienstleister widmen, werden Sie mir jetzt den Inhalt dieser Kiste erklären.“

„Das ließe sich vermeiden.“

„Für wen?“

Rorik sah wieder zu den Stempeln. „Für uns beide.“

Die Oberinspektorin erhob sich. Sie war kleiner, als der mächtige Schreibtisch hatte vermuten lassen, doch ihre Haltung glich das mühelos aus. Mit langsamen Schritten kam sie um das Möbel herum und blieb vor der Kiste stehen.

Rorik stand ebenfalls auf. „Ich rate davon ab, den Deckel zu öffnen. Der Inhalt reagiert empfindlich auf fremde Menschen, geschlossene Räume und amtliche Autorität.“

„Der Inhalt ist demnach lebendig.“

„Das habe ich nicht gesagt.“

Ein Kratzen drang aus der Kiste. Anschließend erschien zwischen den Planken eine schmale schwarze Schnauze. Sie schnupperte, zog sich zurück und stieß gegen den Deckel.

Crane drehte den Kopf zu Rorik. „Sie haben im Frachtverzeichnis ausdrücklich angegeben, keine Tiere mitzuführen.“

„Das war zum Zeitpunkt der Abfahrt korrekt.“

„Sie wollen mir erzählen, das Tier sei unterwegs in der Kiste entstanden?“

Rorik trat neben sie und senkte die Stimme. „Es befand sich bei unserer Abfahrt nicht in meinem Besitz. Diese Formulierung lässt sich ohne Schwierigkeiten verteidigen.“

„Vor welchem Gericht?“

„Vor einem verständnisvollen.“

Die Oberinspektorin betrachtete die Ketten. Rorik sah, wie sie zählte und ihre Stärke abschätzte. Ihr missfiel das Ergebnis ebenso sehr wie ihm.

„Was genau befindet sich darin?“

„Ein junger Nebelgryn.“

Crane nahm die Brille ab und rieb sich über den Nasenrücken. „Ein Raubtier.“

„Er ist noch klein.“

Die Kiste bebte. Eine zweite Kette sprang aus ihrer Halterung und schlug scheppernd auf den Boden.

„Wie groß wird ein ausgewachsener Nebelgryn?“

Rorik hielt eine Hand ungefähr auf Brusthöhe. „Wenn er gut gefüttert wird, erreicht er etwa diese Schulterhöhe.“

„Ihre Schulterhöhe?“

„Vielleicht auch etwas darüber. Die Angaben unterscheiden sich je nach Region.“

„Und wie viele Hände behält ein ausgewachsener Nebelgryn nach gewöhnlichem Kontakt mit Menschen üblicherweise im Maul?“

„Sie gehen verschwenderisch mit Vorurteilen um. Das Tier hat seit seiner Ankunft an Bord niemanden gebissen.“

Aus der Kiste kam ein kurzes, heiseres Husten.

Rorik verzog keine Miene. „Jedenfalls niemanden ernsthaft.“

Crane setzte ihre Brille wieder auf. „Wo haben Sie es gefunden?“

Der Ton ihrer Stimme hatte sich verändert. Die Strenge war noch da, doch sie fragte jetzt als Frau, die eine Antwort erwartete, und weniger als Vertreterin eines Amtes, das bereits sieben passende Formulare dafür bereithielt.

Rorik betrachtete den Spalt im Deckel. Die beiden Augen dahinter blinzelten.

„In einem Käfig unter Deck eines Handelsschiffs vor der Orcal-Ebene. Die Leute dort hatten ihm die Hinterläufe zusammengebunden und wollten es an einen privaten Tiergarten verkaufen. Es war abgemagert und hatte eine Brandwunde am Hals.“

„Sie haben das Tier befreit.“

„Es stand im Weg, als wir die übrige Ladung überprüften.“

Crane musterte ihn eine Weile. „Mit Erlaubnis der Besatzung dieses Handelsschiffs?“

Rorik strich über einen Goldknopf seines Mantels. „Die Besatzung war zu diesem Zeitpunkt mit anderen Dingen beschäftigt.“

„Mit welchen Dingen?“

„Einige versuchten, ihr Schiff zu löschen. Andere suchten ihre Hosen.“

In der Kiste polterte es erneut. Der Deckel hob sich weiter, und eine kräftige schwarze Pfote schob sich durch den Spalt. Vier gebogene Krallen kratzten über das Holz.

Rorik wich einen Schritt zurück. „Wir sollten jetzt etwas Abstand nehmen.“

Crane blieb stehen. „Sie haben das Tier in mein Büro gebracht. Ich sehe keinen Grund, warum allein ich zurückweichen sollte.“

Die letzte Kette riss.

Der Deckel flog auf und prallte gegen die Wand. Aus der Kiste schoss ein dunkler Körper hervor, viel zu schnell und viel zu groß für den Raum. Der Nebelgryn landete auf dem Schreibtisch. Tinte spritzte über die Formulare, mehrere Akten rutschten zu Boden, und einer der Stempel verschwand unter einem mächtigen Vorderlauf.

Das Tier ähnelte einem schwarzen Raubkater, wenn man bereit war, einen zusätzlichen Kiefer, zwei Reihen kleiner Hörner und einen langen, schuppigen Schwanz zu übersehen. Dunkles Fell bedeckte seinen Rücken. An seinem Hals verlief eine kahle Stelle, auf der die verbrannte Haut noch deutlich zu erkennen war.

Der Nebelgryn duckte sich und fauchte Crane an.

Rorik bewegte sich langsam zwischen die beiden. „Er reagiert auf rasche Bewegungen. Bleiben Sie ruhig und sehen Sie ihm nicht direkt in die Augen.“

Crane stand reglos neben dem Schreibtisch. „Das hätten Sie vielleicht erwähnen sollen, bevor Sie ihn in das Hafenamt brachten.“

„Ich hatte gehofft, der Besuch würde kürzer ausfallen.“

Der Nebelgryn senkte den Kopf. Seine Muskeln spannten sich an, während sein Blick zu den Fenstern glitt. Draußen lag die Copper-Hydra. Durch das Glas drang ein langgezogenes Pfeifen vom Deck herüber. Das Tier erkannte das Geräusch und antwortete mit einem klagenden Laut.

Für einen Augenblick wirkte es wieder so jung, wie Rorik es beschrieben hatte.

Dann biss es in den Stapel mit den ungeklärten Formularen.

Papier flog durch das Büro.

Crane schloss die Augen, als müsse sie sich erst innerlich von mehreren Jahrzehnten vorbildlicher Amtsführung verabschieden. Der Nebelgryn schüttelte den Kopf und verteilte die Aktenblätter über Tisch, Boden und Fensterbank. Eines blieb an Roriks Dreispitz hängen.

„Er mag Papier“, erklärte Rorik und nahm den Bogen von seinem Hut. „Das habe ich während der Reise bemerkt.“

„Sie haben ein Tier mit Vorliebe für Papier ausgerechnet in einer Behörde abgestellt.“

„Der Raum erschien mir reich an Beschäftigungsmöglichkeiten.“

Crane öffnete die Augen. „Fangen Sie es ein.“

Rorik zog langsam seinen Mantel aus. Der Nebelgryn beobachtete jede Bewegung. Als Rorik einen Schritt nach links machte, folgte das Tier seinem Blick. Er sprach ruhig weiter, während er sich dem Schreibtisch näherte.

„Du hast für heute genug Schaden angerichtet. Wir gehen zurück an Bord, du bekommst etwas zu fressen, und anschließend bringen wir dich zu jemandem, der mehr von Raubtieren versteht als mein Koch.“

Der Nebelgryn ließ die Papierreste fallen. Sein Schwanz schlug gegen das Tintenfass, das über den Tisch rollte und direkt vor Crane zum Stillstand kam.

Rorik nutzte den Moment. Er warf den Mantel über das Tier, packte es darunter um den Körper und hob es vom Tisch. Der Nebelgryn wand sich mit erstaunlicher Kraft. Eine Pfote schoss aus dem Stoff, traf Rorik an der Schulter und riss den Ärmel seines Hemdes auf.

Er hielt das Tier fest und sprach weiter auf es ein, bis der Widerstand nachließ. Schließlich blieb der Nebelgryn schwer in seinen Armen liegen. Nur die Spitze seines schuppigen Schwanzes zuckte noch unter dem Mantel hervor.

Rorik sah zu Crane. „Wie Sie erkennen können, ist die Lage unter Kontrolle.“

Die Oberinspektorin betrachtete ihr verwüstetes Büro. Tinte lief über den Schreibtisch, Aktenblätter hingen an den Rohrleitungen, und einer der Stempel steckte im Maul des Nebelgryns.

„Ihre Vorstellung von Kontrolle erklärt mehrere Berichte, die ich heute gelesen habe.“

Sie nahm dem Tier den Stempel ab. Der Nebelgryn ließ es geschehen und leckte ihr anschließend über die Hand.

Crane erstarrte.

Rorik hob vorsichtig die Augenbrauen. „Er scheint Sie zu mögen.“

„Das beruht nicht auf Gegenseitigkeit.“

Der Nebelgryn leckte erneut über ihre Finger.

Die Oberinspektorin zog die Hand zurück und wischte sie an einem unbeschädigten Formular ab. Danach ging sie um den Schreibtisch herum, zog eine frische Akte aus einer Schublade und setzte sich.

„Wohin bringen Sie das Tier?“

„Zu einer Heilerin am südlichen Rand der Pfahlstadt. Sie nimmt verletzte Geschöpfe auf und bringt sie später zurück in ihre Heimat.“

Crane füllte mehrere Felder aus. „Dann erhalten Sie eine vorläufige Andockgenehmigung für die Copper-Hydra. Sie gilt für achtundvierzig Stunden und ausschließlich für die Versorgung des Tieres. Ihre Geschütze bleiben versiegelt, die Besatzung verlässt das Dock nur in Gruppen, und der Nebelgryn wird auf direktem Weg zur Heilerin gebracht.“

Rorik drückte das Tier fester an sich, als es nach der Feder greifen wollte. „Ich wusste, dass wir eine vernünftige Lösung finden würden.“

„Zusätzlich stelle ich Ihnen die Reinigung des Büros, den beschädigten Schreibtisch und sämtliche vernichteten Unterlagen in Rechnung.“

„Einige dieser Unterlagen betrafen mich. Damit habe ich Ihnen Arbeit erspart.“

Crane sah ihn über den Rand ihrer Brille hinweg an. „Ich fertige sie erneut an.“

„Dann hätte er gründlicher kauen sollen.“

Die Oberinspektorin griff nach dem größten Stempel. Endlich berührte er das Kissen. Sie drückte ihn mit solcher Kraft auf die Genehmigung, dass der ganze Tisch bebte.

Rorik verlagerte den Nebelgryn auf einen Arm und nahm das Papier entgegen. Unter der Überschrift zur Fahrzeugklasse hatte Crane mit sauberer Handschrift eine Ergänzung eingetragen.

STAATLICH GEDULDETER TIERTRANSPORT

Sein Lächeln verschwand.

„Das können Sie unmöglich ernst meinen.“

Crane begann bereits, die verstreuten Formulare vom Boden aufzuheben. „Für eine Eintragung als Piratenfloater fehlen Ihnen mehrere Nachweise.“

„Welche Nachweise soll ein Pirat benötigen?“

„Nach Formular neununddreißig benötigen Sie eine gültige Plünderungslizenz, eine Aufstellung sämtlicher Überfälle des vergangenen Jahres und zwei schriftliche Empfehlungen anderer Piraten.“

Rorik starrte sie an. „Kein anständiger Pirat würde sich an einem solchen Verfahren beteiligen.“

„Dann bleibt es beim Tiertransport.“

Der Nebelgryn streckte den Kopf unter dem Mantel hervor und schnappte nach der Genehmigung. Rorik zog das Papier rechtzeitig weg.

„Sie haben keine Ahnung, was dieses Dokument meinem Ruf antun wird.“

Oberinspektorin Crane setzte sich wieder hinter ihren Schreibtisch. Zwischen den Tintenflecken, Papierfetzen und Kratzspuren wirkte sie noch immer so, als hätte sie den Raum vollständig unter Kontrolle.

„Ihr Ruf hat sechsundzwanzig Zähne und liegt vor meinem Fenster. Er wird es überleben.“

Rorik klemmte die Genehmigung in seinen Gürtel und trug den Nebelgryn zur Tür. Bevor er hinausging, blickte er noch einmal über die Schulter.

„Wenn jemand fragt, war die Kiste bei meiner Ankunft geschlossen.“

Crane tauchte ihre Feder in das verbliebene Tintenfass. „Wenn jemand fragt, waren Sie bei Ihrer Ankunft ebenfalls still. Beides lässt sich inzwischen kaum noch beweisen.“

Draußen auf dem Steg warteten vier seiner Leute. Sie betrachteten erst den Nebelgryn in seinen Armen und danach das amtliche Papier an seinem Gürtel.

Der Erste las die neue Fahrzeugklasse. Ein Grinsen breitete sich über sein Gesicht aus.

Rorik hob warnend den Finger. „Wer die Worte staatlich geduldeter Tiertransport an Bord ausspricht, putzt bis zum Ende des Monats den dekorativen Bug.“

Keiner sagte etwas.

Das Gelächter begann erst, als er ihnen den Rücken zudrehte.

Rorik und die ordnungsgemäße Piraterie

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