Ophelia behauptet, ein Zauber gelinge am zuverlässigsten, wenn Stimme, Geste und Absicht vollkommen übereinstimmen. Das klingt vernünftig, bis man versucht, gleichzeitig eine Formel auszusprechen, die richtige Handbewegung auszuführen und Sera davon abzuhalten, das Versuchsobjekt zu fressen.
Ich schob den Brotlaib in die Mitte des Arbeitstisches und hielt Sera mit dem Unterarm auf Abstand. Er saß auf einem Stapel Bücher, den Kopf leicht gesenkt, die blauen Augen fest auf das Brot gerichtet. Seine Schwanzspitze bewegte sich langsam hin und her.
„Das ist kein Abendessen“, erklärte ich ihm. „Das ist Forschung.“
Sera blinzelte. Offenbar erkannte er keinen wesentlichen Unterschied.
Vor mir lag eine Abschrift alter Verwandlungsformeln. Neben Metamôr mîs und Metamôr nollis hatte jemand vor langer Zeit eine weitere Variante ergänzt:
Metamôr manus!
Darunter stand keine Erklärung. Nur ein verblasster brauner Fleck, der entweder von Tee oder von einem früheren Versuch stammte.
Ich legte zwei Finger an den Rand des Tisches, stellte mir eine menschliche Hand vor und führte die vorgeschriebene Geste aus. Genau in diesem Augenblick rutschte mein Tintenfass vom Stapel neben mir.
Eine zusätzliche Hand wäre jetzt wirklich hilfreich.
Der Gedanke war kaum entstanden, als ich die Inkantation aussprach.
Goldenes Licht sprang aus meinen Fingern. Der Brotlaib zuckte, wölbte sich in der Mitte und bekam an einer Seite fünf lange Finger. Sie tasteten über die Tischplatte, fanden das kippende Tintenfass und schoben es aufrecht hin.
Ich starrte das Brot an.
Das Brot trommelte mit den Fingern auf den Tisch.
Sera beugte sich interessiert vor.
„Das ist bemerkenswert“, murmelte ich und griff nach meiner Feder.
Während ich die ersten Beobachtungen notierte, zog mir die Brothand das Tintenfass näher. Danach hielt sie eine lose Seite fest, die im Luftzug zitterte, und reichte mir sogar den kleinen Messingzirkel, der außer Reichweite lag.
Meine ursprüngliche Absicht hatte dem Zauber offenbar eine Aufgabe gegeben. Das Brot wollte helfen.
Leider entwickelte es schon nach wenigen Minuten sehr genaue Vorstellungen davon, wobei ich Hilfe benötigte. Es sortierte meine Federn nach Länge, schob den kalten Tee beiseite und klappte das Inkantationsbuch zu, während ich noch daraus abschrieb. Als ich es wieder öffnete, legte sich die Hand flach auf die Seite.
Sera nutzte den Moment und schnappte nach dem Rand des Laibs.
Die Finger packten ihn an der Schnauze.
Sera riss die Augen auf. Mit einem empörten Schnauben sprang er rückwärts vom Bücherstapel, während das Brot auf seinen fünf Fingern über den Tisch davonlief. Dabei fegte es zwei Zahnräder, einen Löffel und meine frisch angelegten Notizen zu Boden.
Ich erwischte es kurz vor der Tischkante und hielt es mit beiden Händen fest. Die Brothand zappelte noch einen Moment, dann tätschelte sie beruhigend meinen Ärmel.
In mein Notizbuch schrieb ich:
Metamôr manus funktioniert. Das Ergebnis folgt neben dem gesprochenen Begriff auch der unmittelbaren Absicht. Vor der Anwendung genau überlegen, welche Art von Hilfe gewünscht ist.
Nach kurzem Zögern ergänzte ich:
Versuchsobjekt künftig außerhalb von Seras Reichweite platzieren.
Neben mir knurrte Sera leise. Die Brothand ballte sich zur Faust.
Ich schob beide weiter auseinander und schlug eine neue Seite auf.

