
BUCH · J. WEYNAND
Extraction
Stadt des Vergessens
In Lethane bezahlst du nicht mit Gold. Du bezahlst mit dem, was dich ausmacht.
Es regnet immer über Lethane. Eine Stadt aus Dampf, Rost und kaltem Licht, in der Erinnerungen die einzige Währung sind. Der erste Kuss. Der Geruch der Mutter. Das Lachen eines Kindes. Alles lässt sich aus einem Kopf herausreißen, in eine Münze pressen und ausgeben. Wer seine Steuer nicht zahlen kann, wird geleert und wandert mit offenen Augen durch die Gassen, ein Körper ohne den Menschen darin.
Ash ist neunzehn, namenlos und ein Dieb. Die Maschinen, die jeden Bürger erfassen und besteuern, finden ihn nicht. Er ist ein Fehler im System, ein Loch in der Welt, und er hat gelernt, dieses Loch zum Überleben zu nutzen. Bis er etwas stiehlt, das er nicht hätte stehlen dürfen: das Null-Siegel, den Schlüssel zur Stummen Glocke. Neunzig Meter Bronze über der Stadt, die alle Erinnerungen Lethanes auf einen einzigen Schlag auslöschen kann.
Jetzt jagt ihn die Hohepriesterin Favra Null. Und sie hat es nicht nur auf das Siegel abgesehen. Sie sammelt Kinder mit besonders reinen Erinnerungen, lange bevor sie das Steueralter erreichen. Nika, Ashs achtjährige Ziehschwester, trägt die reinsten Erinnerungen, die je gemessen wurden. Und Favra weiß es.
Um Nika zu retten, muss Ash tiefer in die Eingeweide seiner Stadt vordringen als je zuvor. Vorbei an Wesen, die aus vergessenen Ideen geboren werden: ein Wolf aus lebenden Spiegeln, der einem die eigene Schuld zeigt. Falter, die Zeit stehlen. Würmer, die Gesichter sammeln. Durch Höhlen, in denen sterbende Götter Zuflucht suchen und von innen leuchten, weil sie zerbrechen. Hinauf zum Glockenturm, wo über das Gedächtnis einer ganzen Stadt entschieden wird.
Doch der Schlüssel in Ashs Tasche hat einen Preis. Wer das Wort spricht, das die Glocke befiehlt, vergisst alles. Seinen Namen. Sein Gesicht. Den Grund, warum er überhaupt kämpft.
Extraction – Stadt des Vergessens ist ein düsterer, atmosphärischer Dark-Fantasy-Roman über Erinnerung, Macht und die Frage, was von einem Menschen übrig bleibt, wenn man ihm alles nehmen kann. Ein in sich geschlossener Einzelband mit einem Ende, das nachhallt.
Für Leserinnen und Leser, die düstere, eigenständige Fantasy lieben und keine Angst vor Geschichten haben, die wehtun.
MEHR ZUM BUCH
Die Geschichte endet nicht auf der letzten Seite.

Während Ash zur Glockenkammer weitergeht, dringt Sionn allein in den abgeschirmten Limbus-Sektor vor. Hinter einer der Türen wird Enna festgehalten, nach der sie jahrelang gesucht hat. Doch die Wachen haben den Befehl, den Bereich abzuriegeln, und Sionns blutiger Archivkittel schützt sie längst nicht mehr.

Ash begleitet Khayra zu einem verlassenen Lager am Rand der Grube, um Stoff für den Schattenhort zu beschaffen. Als ihr Leuchten die Aufmerksamkeit zweier Männer auf sich zieht, wird aus dem kurzen Versorgungsgang eine Flucht über die Dächer. Dabei erfährt Ash, wie schwer es für Khayra ist, sich gegen Menschen zu wehren, deren Schmerz sie ebenso deutlich fühlt wie ihren eigenen.
