Extraction – Stadt des Vergessens
By admin / April 19, 2026 / Keine Kommentare

Dark Fantasy ยท Dystopie ยท Projektseite
EXTRACTION
In Lethane wird Erinnerung zur Wรคhrung. Wer nicht zahlen kann, verliert sich selbst.
Ash lebt in einer Stadt aus Stein, Dampf und Vergessen, in der Erinnerungen geprรคgt, gehandelt und geraubt werden. Als er im Mnemonicum nicht nur Goldene Quittungen, sondern auch das verbotene Null-Siegel stiehlt, gerรคt er in den Mittelpunkt eines Kampfes gegen Favra Null, die mit der Nullglocke das Gedรคchtnis einer ganzen Stadt auslรถschen kรถnnte.

Jetzt lesen
Extraction kaufen
Tauche ein in die finstere Welt von Lethane, wo Erinnerungen zur Ware werden und jeder Schritt ums รberleben geht. Verfรผgbar als E-Book und Taschenbuch.
- Format: E-Book
- Genre: Dark Fantasy, Dystopie
- Status: Verfรผgbar
Story
Eine Stadt frisst ihre Menschen.
In Lethane sind Erinnerungen keine Vergangenheit. Sie sind Ware, Waffe und Urteil zugleich. Wer nicht zahlen kann, verliert nicht Besitz, sondern sich selbst. Liebe, Schmerz, Kindheit, Gesichter, Namen โ alles wird extrahiert, zu Oboli geprรคgt und dem System geopfert. Zurรผck bleiben leere Hรผllen, gebrochene Leben und eine Stadt, die vom Vergessen lebt.
รber allem herrscht Hohepriesterin Favra Null. Ihr Reich aus Dampf, Stein und Kontrolle hรคlt die Menschen klein, wรคhrend die Nullglocke wie ein drohendes Todesurteil รผber Lethane wacht. Ein einziger Schlag kรถnnte das Gedรคchtnis einer ganzen Stadt auslรถschen.
Ash ist in dieser Hรถlle aufgewachsen. Zwischen Rost, Hunger, Gewalt und den Resten eines Lebens, das anderen lรคngst genommen wurde. Als er ins Mnemonicum einbricht, um Goldene Quittungen zu stehlen und seine Ziehschwester Nika vor der Extraktion zu retten, stรถรt er auf etwas, das alles verรคndert: das verbotene Null-Siegel.
Aus einem verzweifelten Diebstahl wird ein Kampf gegen ein Regime, das Erinnerung beherrscht wie eine Religion. Gejagt von Favras Soldaten, umgeben von Verrat, Angst und uralten Krรคften, gerรคt Ash mitten in einen Krieg um Identitรคt, Macht und das, was von Menschlichkeit noch รผbrig ist.
Denn wenn eine Stadt gelernt hat, ihre Menschen Stรผck fรผr Stรผck auszulรถschen, geht es irgendwann nicht mehr nur ums รberleben.
Dann geht es darum, ob รผberhaupt noch etwas bleibt, das es wert ist, gerettet zu werden.


Ash
Ash, der Junge der das System kippen wird.
โIch bin ein Dieb, ein Gejagter, ein Name gegen das Vergessen.โ
Ash
Ash ist kein Held aus alten Liedern. Er stammt aus den untersten Vierteln Lethanes, aus Rost, Regen, Hunger und jenen Gassen, in denen man verschwindet, wenn man nicht kรคmpfen lernt. Er klettert รผber Dรคcher, zwรคngt sich durch Schรคchte und lebt von Instinkt, Mut und dem Willen, nicht unterzugehen.
Seinen wahren Namen hat ihm die Stadt lรคngst genommen. Was geblieben ist, ist Ash โ ein รberlebender, der gelernt hat, sich durch ein System zu bewegen, das Menschen nicht nur ausbeutet, sondern auslรถscht. Als er in das Mnemonicum einbricht, will er eigentlich nur genug rauben, um Nika zu retten. Doch mit dem Null-Siegel gerรคt er in einen Krieg, der weit grรถรer ist als er selbst.
Ash ist jung, verletzt, gejagt und oft auf sich allein gestellt. Er trรคgt keine Krone, keine Prophezeiung und keine sichere Hoffnung in sich. Aber gerade das macht ihn gefรคhrlich. Denn in einer Stadt, die Identitรคt zu Mรผnzen prรคgt und Erinnerung wie Vieh verschachert, ist schon der bloรe Wille, sich nicht brechen zu lassen, ein Akt des Widerstands.
Ash kรคmpft nicht, weil er auserwรคhlt wurde.
Er kรคmpft, weil Lethane ihm schon fast alles genommen hat โ und weil er sich weigert, auch noch den Rest herzugeben.
Audio
Stimmen aus der Dunkelheit
Hรถrproben, Lesungen und dรผstere Audioteaser aus EXTRACTION โ direkt aus den Gassen, Kellern und Schatten Lethanes.
Hรถrprobe
aus dem Buch
Video
Bewegte Bilder aus EXTRACTION
Ash, Lethane, enge Gassen, dampfende Tiefen, verborgene Orte und die ersten Zeichen einer Bedrohung, die eine ganze Stadt ins Vergessen stรผrzen kรถnnte.
Trailer / Teaser
Shorts und kleine Clips.
Videosequenzen
Videos zum Projekt
Bonus
Verlorene Fragmente, verbotene Akten, Bestien der Tiefe, dunkle Orte und weitere Einblicke in die Welt von EXTRACTION โ fรผr alle, die tiefer nach Lethane hinabsteigen wollen.

BONUS: Verlorene Fragmente
1. Khayra nachts im Schattenhort
Die meisten im Schattenhort schliefen schon.
Nur irgendwo tropfte noch Wasser. Ab und zu knackte Holz in einer der Schlafnischen. Sonst war es still.
Khayra saร allein auf einer flachen Steinplatte am Rand eines schmalen Gangs. Das Licht der Leuchtfarne strich blass รผber ihr Gesicht und blieb in den feinen Rissen an ihren Armen hรคngen. Wenn sie stillhielt, sah es fast aus, als wรผrde etwas unter ihrer Haut glimmen.
Sie mochte diese Stunden nicht.
Tagsรผber konnte sie sich bewegen. Da gab es immer etwas zu tun. Wunden. Streit. Hunger. Angst. Irgendjemand brauchte immer etwas. Nachts blieb nichts davon รผbrig. Nachts blieb nur sie selbst.
Und das, was in ihr lebte.
Khayra legte die Hand auf ihren Unterarm. Die Wรคrme war wieder da. Tief und ruhig. Aber sie wusste, wie schnell daraus Schmerz werden konnte.
Sie dachte an Ash.
An sein Gesicht, als sie ihn an der Kluft festgehalten hatte. An die Mรผdigkeit in seinen Augen. An diesen sturen Zug um seinen Mund. Er war verletzt, erschรถpft und viel zu weit gegangen. Und trotzdem hatte er nur an Nika gedacht.
Khayra senkte den Blick.
Sie kannte solche Menschen. Menschen, die zu lange getragen hatten. Menschen, die irgendwann nur noch aus Willen bestanden.
Ash war einer von ihnen.
Langsam zog sie die Knie an und lehnte den Kopf gegen den Fels. Der Stein war kalt. Die Ruhe tat nicht gut. Sie machte alles lauter.
Sie spรผrte noch immer seine Wunde unter ihren Hรคnden.
Nicht die Haut. Nicht das Blut.
Den Schmerz.
Sie hatte nur einen kleinen Teil davon genommen. Trotzdem saร er noch in ihr wie ein Splitter. So war es jedes Mal. Wenn sie half, blieb etwas zurรผck. Ein Rest. Ein Nachhall. Manchmal nur fรผr Minuten. Manchmal fรผr Stunden.
Heute blieb mehr.
Vielleicht, weil Ash sich nicht einfach nur hatte retten lassen.
Vielleicht, weil er sie angesehen hatte, als wรคre sie kein Wunder und kein Monster, sondern einfach da.
Khayra schloss die Augen.
Irgendwo weiter hinten hustete jemand im Schlaf. Dann wurde es wieder still.
Sie fragte sich, ob Ash gerade schlief oder ob er wie so viele nur dalag und auf den Morgen wartete. Ob er wieder von Nika trรคumte. Ob er รผberhaupt noch Kraft hatte fรผr das, was kam.
Natรผrlich hatte er sie nicht.
Niemand hatte sie.
Favra zog die Schlinge enger. Der Schattenhort hielt noch. Aber jeder hier wusste, dass dieses Versteck kein Zuhause war. Es war nur ein Aufschub.
Khayra hob den Kopf und sah in den dunklen Gang.
Fรผr einen Moment wollte sie zu ihm gehen. Einfach nur nachsehen, ob er Fieber hatte. Ob der Verband hielt. Ob er wieder unruhig atmete.
Sie blieb sitzen.
Weil sie wusste, dass es nicht dabei bleiben wรผrde.
Nรคhe war in Lethane nie harmlos.
Sie machte Menschen weich. Langsam. Leise. Genau da, wo die Welt spรคter hineinschnitt.
Khayra atmete tief ein. Die Luft roch nach feuchtem Stein, Krรคutern und altem Rauch.
Dann stand sie auf.
Nicht, um zu Ash zu gehen.
Nur ein paar Schritte. Nur bis an den Rand der kleinen Hรถhlung, von der aus man durch einen schmalen Felsspalt hinaus in die Tiefe sehen konnte.
Unten lag Lethane.
Man sah nicht viel. Nur Nebel. Ein fernes grรผnliches Licht. Manchmal das matte Zittern einer Sigilla-Laterne. Ganz weit oben, kaum mehr als ein Schatten, stand die Masse des Glockenturms gegen die Nacht.
Khayra sah lange hin.
Dann flรผsterte sie, so leise, dass es fast im Stein verschwand:
โBitte lass ihn sie rechtzeitig finden.โ
Mehr sagte sie nicht.
Sie blieb noch einen Moment stehen, die Arme eng um den Kรถrper gelegt, und hรถrte dem fernen Atmen der Stadt zu.
Dann ging sie zurรผck in den Schattenhort.
BONUS: Extraktionsprotokolle
MNEMONICUM LETHANE
Vorprotokoll zur Leerling-Extraktion
Vorgangsnummer: MX-17-84-A
Subjekt: weiblich, geschรคtzt 11 Jahre
Herkunft: Grube, Unterquartal Sรผd
Anlass: offene Erinnerungssteuer, dritte Mahnstufe
Begleitvermerk: auffรคllige Gegenwehr bei Zufรผhrung
Das Subjekt wurde um die zweite Nachtstunde in den Vorraum des Ambitus-Vorpostens verbracht. Kรถrperlich zeigte es deutliche Mangelerscheinungen, mehrere รคltere Hรคmatome an Armen und Schultern sowie Anzeichen von Schlafentzug. Der Blick war wach, aber unruhig. Fragen nach Name, Familie und Wohnort wurden zunรคchst beantwortet, spรคter verweigert.
Die erste Prรผfung ergab verwertbare emotionale Bindungen im Bereich R2 mit mรถglicher Tendenz zu R3. Besonders stark reagierte das Subjekt auf Begriffe aus dem familiรคren Umfeld. Bei Nennung einer mรคnnlichen Bezugsperson stieg die Pulsfrequenz deutlich an. Eine sofortige Teilabschรถpfung wurde deshalb empfohlen.
Wรคhrend der Vorbereitung kam es zu einem Zwischenfall. Das Subjekt biss einem Gehilfen in die Hand und versuchte, sich mit dem linken Ellenbogen aus der Halterung zu drรผcken. Die Sicherung wurde daraufhin verstรคrkt. Eine Beruhigung durch R0-Nebel zeigte nur kurze Wirkung.
Auf Anweisung der Aufsicht wurde die eigentliche Extraktion um einen Zyklus verschoben. Die Erinnerungslage erschien fรผr eine direkte Entnahme noch zu heiร und damit fรผr Reinabzug ungeeignet. Vorgesehen ist eine Vortrennung รผber Angst, Bindung und Verlustbild, um den Kernwert gezielt freizulegen.
Der weitere Verbleib des Subjekts erfolgt bis zur nรคchsten รffnung im unteren Wartebereich unter Verschluss.
Nachtrag der Aufsicht:
Widerstand bleibt hoch. Der Blick des Kindes ist trotz Erschรถpfung klar. Solche Fรคlle brechen oft spรคt. Dafรผr liefern sie sauber.

Bestiarium der Tiefe
Chronofalter
Der Chronofalter lebt tief unter Lethane, dort, wo die Luft kalt wird und Zeit kein sauberes Maร mehr hรคlt.
Auf den ersten Blick wirkt er fast schรถn. Seine Flรผgel schimmern wie dรผnnes Glas. In ihnen laufen helle Linien, als wรผrde Licht in feinen Adern zittern. Wenn er sich bewegt, bleibt oft ein kurzer Nachglanz in der Luft zurรผck. Genau das macht ihn so gefรคhrlich.
Denn wo ein Chronofalter auftaucht, gerรคt Zeit aus dem Takt.
Kerzen brennen fรผr einen Atemzug schneller nieder. Tropfen fallen zu frรผh oder zu spรคt. Stimmen klingen doppelt. Manche Menschen sehen fรผr einen Moment eine Bewegung, die noch gar nicht geschehen ist. Andere erleben einen Herzschlag lang etwas noch einmal, das eben erst vorbei war.
Allein ist das Wesen selten tรถdlich. In Schwรคrmen wird es zum Albtraum.
Dann beginnen Minuten zu reiรen. Schritte verlieren ihren Rhythmus. Erinnerungen und Gegenwart schieben sich รผbereinander. Wer zu lange mitten in einem Schwarm steht, verliert das sichere Gefรผhl dafรผr, was gerade wirklich passiert. Genau dort schlagen andere Gefahren zu.
Die Gรถtterkinder sagen, der Chronofalter sei aus zerrissenen Resten von Zeit, Erinnerung und gรถttlichem Nachhall entstanden. Ein Tier ist er trotzdem. Kein Geist. Kein Symbol. Er frisst feine Resonanzen, nistet in stillen Spalten und wird von Licht, Wรคrme und starken mnemantischen Strรถmen angezogen.
Manche nennen ihn harmlos, weil er klein ist.
Das ist ein Fehler.
Ein einzelner Chronofalter verwirrt.
Ein Schwarm bringt Menschen dazu, zu stolpern, falsch zu greifen, Warnungen zu spรคt zu hรถren oder im schlimmsten Moment an der falschen Stelle zu stehen.
In Lethane reicht das vรถllig aus, um zu sterben.

Orte der Finsternis
Limbus
Tiefer als die Kanรคle. Tiefer als die alten Keller. Tiefer als jeder Ort, an dem Menschen noch von Sicherheit sprechen.
Dort unten endet die Stadt nicht einfach. Sie verliert ihre Ordnung.
Nebel hรคngt zwischen schwebenden Felsinseln. Wรคrme flimmert durch kalte Luft. Schwerkraft kippt ohne Vorwarnung. Wege, die eben noch fest wirkten, reiรen plรถtzlich weg oder tragen einen Schritt zu weit in die Leere.
Der Limbus ist kein normales Hรถhlensystem. Er ist ein Zwischenraum.
Ein Ort zwischen Tiefe, Erinnerung und Zerfall.
Wer hinabsteigt, findet dort seltene Erinnerungs-Essenzen, alte Relikte und manchmal Dinge, die aus der Welt รผber ihm verschwunden sind. Genau deshalb ist der Limbus kostbar. Und genau deshalb ist er tรถdlich.
Dort lauern Konzeptbestien im Nebel. Spiegelwรถlfe, Hydren und andere Wesen, die nicht wie Tiere wirken, sondern wie etwas, das aus gerissenen Erinnerungen und sterbender Gรถttlichkeit entstanden ist. Manche greifen den Kรถrper an. Andere treffen zuerst den Verstand.
Der Limbus ist kein Ort fรผr Helden.
Er ist ein Ort fรผr Verzweifelte.
Fรผr jene, die etwas suchen, das es an der Oberflรคche nicht mehr gibt.
In EXTRACTION wird der Limbus zu genau so einem Ort. Kein Abenteuer. Kein Wunderland. Sondern der Abstieg in einen Raum, in dem jeder Schritt falsch sein kann und jede gefundene Hoffnung mit Blut bezahlt werden muss.
BONUS: Mnemantik verstehen
Das Null-Siegel ist kein gewรถhnliches Artefakt.
Es ist ein R5-Relikt. Verboten. Gefรผrchtet. Und so gefรคhrlich, dass selbst Favras Leute in Panik geraten, wenn es verschwindet.
Ash findet es in der Nacht der Goldenen Quittungen im Mnemonicum. Erst wirkt es unscheinbar. Eine kleine Scheibe. Kalt. Glatt. Fast still. Doch sobald er es berรผhrt, spรผrt er, dass daran mehr hรคngt als an jeder Mรผnze, die er je in der Hand hatte.
Das Null-Siegel bindet das Tabu-Wort โNullโ.
Dieses Wort ist in Lethane nicht nur verboten. Es ist ein Riss im System. Ein Laut, der Ordnung, Sigilla und Wirklichkeit selbst beschรคdigen kann. Nur Namenlose kรถnnen ihn gefahrlos aussprechen. Fรผr alle anderen ist er Gefahr.
Darum will Favra das Siegel um jeden Preis zurรผck.
Solange es in ihrem Besitz bleibt, kann sie den Groรen Schnitt vollenden. Solange es verschwunden ist, bleibt etwas offen. Etwas unkontrollierbar. Etwas, das ihrer Ordnung entgleitet.
Fรผr Ash ist das Null-Siegel zuerst nur Beute. Dann wird es zur Last. Spรคter wird es zum Schlรผssel.
Denn mit ihm trรคgt er nicht nur ein verbotenes Objekt durch Lethane. Er trรคgt die eine Sache bei sich, die Favras ganzes Reich ins Wanken bringen kann.

Oboli R3
Die Mรผnze lag schwer in Sorvisโ offener Hand.
Eine Mรผnze aus kaltem Metall mit einer feinen Prรคgung, die im schmutzigen Lampenlicht fast lebendig wirkte.
Ash hatte sie aus dem Beutel gezogen, ohne lange nachzudenken. Seine Schulter war aufgerissen. Das Fieber saร ihm lรคngst im Nacken. Sorvis hatte den Obolus nur angesehen und sofort aufgehรถrt, in seinem Mรถrser zu rรผhren.
โWoher hast du den?โ
Ash antwortete nicht.
Sorvis drehte die Mรผnze zwischen zwei Fingern. Sein Blick verรคnderte sich. Vorsichtig. Als hรคtte er plรถtzlich etwas in der Hand, das man nicht einfach ausgeben sollte.
โR3โ, murmelte er.
Das Wort stand zwischen ihnen wie eine offene Klinge.
Ash kannte den Unterschied. R0 kaufte Brot fรผr einen Tag. R1 brachte Licht oder eine kleine Heilung. R2 konnte Tรผren รถffnen, Wachen bestechen oder fรผr kurze Zeit Schutz geben. Aber R3 war etwas anderes.
R3 war kein Kleingeld.
R3 war ein Leben, das tief eingeschnitten hatte.
Sorvis hob die Mรผnze nรคher an die Flamme. In der Prรคgung liefen feine Linien, fast wie eingeschlossene Adern. Fรผr einen Moment glaubte Ash, darin Bewegung zu sehen. Ein schwaches inneres Leuchten, als lรคge unter dem Metall noch immer ein Rest von Gefรผhl.
โGeburt. Verlust. Liebe. So etwasโ, sagte Sorvis leise. โEine Mรผnze wie diese prรคgt man nicht aus einem belanglosen Tag. Dafรผr muss einer etwas verloren haben, das ihn verรคndert hat.โ
Ash sagte noch immer nichts.
Er dachte an das Mnemonicum. An die Regale. An die Kisten. An kaltes Metall voller fremder Leben.
Sorvis schloss die Finger um den Obolus, als mรผsse er aufpassen, ihn nicht zu lange zu berรผhren. โSolche Stรผcke gehen nicht unten in der Grube durch viele Hรคnde. Zu wertvoll. Zu gefรคhrlich. Wer so etwas offen zeigt, zieht รrger an.โ
โIch brauche nur, dass du die Wunde schlieรtโ, sagte Ash.
Sorvis sah ihn lange an. Dann legte er die Mรผnze langsam auf den Tisch zwischen Krรคutern, Schalen und rostigem Werkzeug.
โWeiรt du รผberhaupt, was du da hingelegt hast?โ
โJa.โ
โNeinโ, sagte Sorvis. โDu kennst den Wert. Das ist nicht dasselbe.โ
Stille.
Drauรen tropfte Wasser durch die Bretter. Irgendwo rief jemand in einer anderen Gasse nach Brot oder Hilfe oder beidem.
Sorvis tunkte zwei Finger in eine dunkle Paste und begann, den Verband zu lรถsen. โEine R3-Oboli ist nicht nur teurer. Sie trรคgt mehr Rรผckstoร. Mehr Gewicht. Mehr Mensch. Manche Mnemantiker arbeiten damit nur mit Handschuhen, weil schon der Nachhall reichen kann, um einen halben Tag lang fremde Trauer oder fremdes Glรผck im Kopf zu haben.โ
Ash verzog das Gesicht, als Sorvis die Wunde freilegte.
โUnd Favras Leute?โ fragte er.
Sorvis schnaubte trocken. โFavras Leute sehen darin Steuerwert. Handelswert. Ritualwert. Darin sind sie gut.โ
Er drรผckte die Paste in die aufgerissene Schulter. Schmerz schoss heiร durch Ashs Arm.
โAber ganz untenโ, murmelte Sorvis, wรคhrend er weiterarbeitete, โbleibt es doch das Gleiche. Jemand hat etwas verloren. Und jemand anders hรคlt es spรคter als Mรผnze in der Hand.โ
Ashs Blick fiel auf den R3-Obolus auf dem Tisch.
Kalt. Schรถn. Falsch.
Er fragte sich, wem er gehรถrt hatte.
Ob es die Erinnerung an einen ersten Kuss war. An eine tote Mutter. An ein Kind, das zum ersten Mal den eigenen Namen gesagt hatte.
In Lethane konnte aus allem eine Zahlung werden.
Sogar daraus.
Sorvis band den Verband fest und stand auf. Dann schob er die Mรผnze mit zwei Fingern รผber den Tisch zurรผck.
Ash sah ihn รผberrascht an. โDu wolltest Bezahlung.โ
โFรผr die Wunde ja. Nicht fรผr das hier.โ
โWarum nicht?โ
Sorvis sah ihn mรผde an. โWeil ich alt genug bin, den Unterschied zu kennen zwischen Geld und einer geprรคgten Narbe.โ
Ash nahm den Obolus langsam wieder an sich.
Er war kรคlter, als er sein sollte.
Und plรถtzlich schwerer.

Hintergrundinfos
Was EXTRACTION ausmacht
Eine Stadt aus Stein und Vergessen. Erinnerungen als Wรคhrung. Und ein System, das Menschen nicht nur kontrolliert, sondern auslรถscht.
Lethane
Lethane ist kein Ort der Hoffnung, sondern eine Stadt, die vom Verlust lebt. Zwischen Grube, Ambitus, Kardinalkranz und der Zentralspitze herrscht ein Regime, in dem Erinnerungen geprรคgt, gehandelt und besteuert werden. Wer nicht zahlen kann, verliert nicht Besitz, sondern Teile seines Lebens, seiner Vergangenheit und schlieรlich sich selbst. รber allem ragt die Nullglocke, ein gewaltiger Bronze-Koloss, dessen Schlag das Gedรคchtnis einer ganzen Stadt auslรถschen kรถnnte.
Die Welt
Lethane ist eine dรผstere Mischung aus barocker Monumentalitรคt, rostiger Mechanik und kalter Mnemantik. Dampfrohre, Schornsteine, Sigilla-Laternen, Katakomben, Brรผcken, Schรคchte und Glockentรผrme prรคgen das Bild einer Welt, in der Technik und Magie nicht trennen, sondern gemeinsam unterdrรผcken. Hinter dem Glanz des Kardinalkranzes liegen Elend, Hunger, Kinderarbeit, Schmuggel und die stรคndige Angst vor Extraktion.
Der Konflikt
Im Zentrum der Geschichte steht Ash, ein namenloser Dieb aus der Grube, der in das Mnemonicum einbricht, um Goldene Quittungen zu stehlen und Nika zu retten. Doch in derselben Nacht gerรคt auch das verbotene Null-Siegel in seine Hรคnde. Aus einem verzweifelten Diebstahl wird ein Kampf gegen Favra Null und gegen ein System, das Identitรคt zu Mรผnzen prรคgt und Menschen in leere Hรผllen verwandelt.
Die Mnemantik
In Lethane sind Erinnerungen Rohstoff, Waffe und Wรคhrung zugleich. Sie werden extrahiert, nach Reinheitsgraden bewertet und zu Oboli geprรคgt. Mit ihnen betreibt man Licht, Heilung, Sigilla und Rituale. Doch jeder Einsatz hat einen Preis: Was geopfert wird, verschwindet unwiderruflich. Je stรคrker die Erinnerung, desto grรถรer die Macht โ und desto tiefer die Wunde, die sie hinterlรคsst.
Favra Null
รber diese Ordnung herrscht Hohepriesterin Favra Null. Einst Archivarin, hat sie ihren eigenen Namen, ihre Vergangenheit und ihre Menschlichkeit geopfert, um das Mnemonicum zur Staatsreligion des Vergessens zu machen. Unter ihrer Herrschaft werden Erinnerungen besteuert, Gรถtter aus dem Denken der Menschen gelรถscht und ganze Leben systematisch entkernt. Ihr Ziel ist der Groรe Schnitt: eine Welt der absoluten Leere, in der nichts mehr bleibt, das sich widersetzen kann.
Die Tiefe
Unter Lethane endet die Stadt nicht. In Kavernen, Kanรคlen, Katakomben und an der Kluft der Namenlosen lauert etwas, das รคlter ist als jede Ordnung der Hohepriesterin. Dort leben Gรถtterkinder im Verborgenen, dort zerbrechen Schwerkraft und Erinnerung, und dort entstehen die Bestien des Vergessens: Spiegelwรถlfe, Nullgeier, Leerewรผrmer und andere Manifestationen einer Welt, die sich gegen ihre eigene Auslรถschung wehrt.
Entwicklung
Zwischen Dark Fantasy, Dystopie und dรผsterem Steampunk
EXTRACTION lebt von der Reibung seiner Elemente: einer Stadt aus Stein, Dampf und Vergessen, einem namenlosen Dieb zwischen Elend und Widerstand, der kalten Macht einer Hohepriesterin und dem schleichenden Grauen einer Welt, in der Erinnerung zur Wรคhrung und Identitรคt zur Beute geworden ist.
Meilensteine
- Projektstatus: Verรถffentlicht
- Entwicklung: abgeschlossen und beendet.


















