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BONUS

Vael entscheidet selbst

Enyria Bonus

Vael entscheidet selbst

Kharonsteg roch nach Salz, nassem Holz, Teer und Fisch, und dazwischen hing jener schwer einzuordnende Duft aus Gewürzen, Kräutern und fremden Früchten, den die Händler aus den Inselreichen mitbrachten. Vael interessierte sich für all das gewöhnlich kaum. Er ging neben Nyro über den Kai, ruhig, aufmerksam und mit dieser selbstverständlichen Präsenz, die dafür sorgte, dass Menschen ihm freiwillig Platz machten.

Dann blieb er plötzlich stehen.

Neben einigen Fässern lag ein geöffneter Sack, aus dem kleine rundliche Früchte auf die Planken gerollt waren. Manche waren grün, andere dunkelrot oder violett, und eine einzelne lag direkt vor Vaels Pfoten. Er senkte den Kopf und betrachtete sie mit einem Misstrauen, das beinahe komisch wirkte.

Nyro hatte seinen Blick sofort bemerkt. „Lass sie liegen.“

Vael bewegte nur die Ohren in seine Richtung, ohne den Blick von der Frucht zu nehmen.

„Vielleicht ist er neugierig“, sagte ich.

Nyro sah erst mich und dann Vael an. „Er frisst Fleisch.“

Das war zweifellos richtig, hinderte Vael aber nicht daran, einen Schritt näher zu gehen. Er schnupperte vorsichtig an der Frucht, zog den Kopf kurz zurück und prüfte sie dann ein zweites Mal, als hätte sich ihr Geruch in der Zwischenzeit vielleicht verändert. Schließlich nahm er sie behutsam zwischen die Zähne.

Tiko war inzwischen neben mich getreten und grinste bereits. „Das möchte ich sehen.“

Vael biss zu.

Einen Augenblick lang kaute er völlig ruhig, doch dann veränderte sich sein Gesicht auf eine Weise, die ich bei ihm noch nie gesehen hatte. Seine Augen wurden schmaler, seine Ohren drehten sich leicht zurück, und in seinem Blick lag plötzlich die tiefe Überzeugung, dass irgendjemand ihm gerade etwas ausgesprochen Fragwürdiges zugemutet hatte.

Tiko versuchte noch, ernst zu bleiben, schaffte es aber keine drei Herzschläge.

„Lach ihn nicht aus“, sagte Nyro, obwohl auch in seiner Stimme etwas lag, das verdächtig nahe an Belustigung war.

Vael ließ den Rest der Frucht auf die Planken fallen und sah zu uns herüber. Der Blick traf zuerst Tiko, dann mich, und ich hätte schwören können, dass er uns alle für diese Erfahrung mitverantwortlich machte.

Ich ging ein wenig in die Hocke. „So schlimm?“

Vael leckte sich langsam über die Schnauze, sah noch einmal auf die angebissene Frucht und wandte sich dann mit jener würdevollen Ruhe ab, die er immer dann entwickelte, wenn er beschlossen hatte, dass ein Thema für ihn beendet war.

Wir gingen weiter, und ich dachte tatsächlich, die Sache sei damit erledigt. Erst einige Schritte später bemerkte ich aus dem Augenwinkel, wie Vael den Kopf noch einmal drehte und zurück zu dem offenen Sack sah.

Nur einen kurzen Moment.

Dann lief er weiter, als wäre überhaupt nichts gewesen.

Ich behielt die Beobachtung für mich.

Manchmal gehört zu einer guten Freundschaft schließlich auch, einem Panther seine Würde zu lassen.

Vael entscheidet selbst

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