Alyri gehören für mich so selbstverständlich zum Lichtwald wie die Stege zwischen den alten Bäumen, das Rauschen der Quellen oder der Duft nach Harz am frühen Morgen. Vielleicht vergesse ich deshalb manchmal, wie seltsam sie auf Menschen wirken müssen, die ihnen zum ersten Mal begegnen. Dieses helle Fell, in dem das Licht wie feiner Staub hängen bleibt, die großen bernsteinfarbenen Augen und diese geschmeidigen Bewegungen, bei denen man nie ganz weiß, ob sie gerade neugierig sind oder längst etwas verstanden haben, das einem selbst noch entgangen ist.
Soré ist darin ein besonders gutes Beispiel.
Wenn er still dasitzt, sieht er aus wie das friedlichste Wesen Enyrias. Der lange Schweif liegt ordentlich um seine Pfoten, die Ohren stehen aufmerksam nach vorn und sein Blick ist so unschuldig, dass selbst ich manchmal für einen Moment darauf hereinfalle. Dann springt er mir mitten in der Nacht auf die Brust, läuft über mein Gesicht oder entscheidet, dass eine lose Faser an einem Teppich dringend vollständig herausgezogen werden muss.
Alyri sind neugierig, aufmerksam und viel eigenwilliger, als ihre Größe vermuten lässt. Sie beobachten ihre Umgebung genau und reagieren oft früher auf Veränderungen als wir Menschen. Im Lichtwald achtet man deshalb sehr darauf, wenn mehrere von ihnen plötzlich still werden, sich an ungewöhnlichen Orten sammeln oder lange in dieselbe Richtung sehen. Meistens gibt es dafür einen Grund, auch wenn wir ihn noch nicht erkennen.
Soré begleitet mich schon so lange, dass zwischen uns vieles ohne Worte funktioniert. Er merkt, wenn ich unruhig bin, selbst wenn ich versuche, es zu verbergen, und dann bleibt er manchmal einfach in meiner Nähe. An anderen Tagen ist seine Vorstellung von Unterstützung, mir mit einer Pfote ins Gesicht zu treten, weil er der Meinung ist, ich hätte lange genug geschlafen.
Beides gehört zu ihm.
Vielleicht mag ich Alyri gerade deshalb so sehr. Sie versuchen gar nicht erst, das Wesen zu sein, das man gern in ihnen sehen möchte. Sie sind neugierig, stolz, anhänglich, frech und manchmal erstaunlich feinfühlig, und sie entscheiden sehr genau, wem sie ihre Nähe schenken.
Bei Soré weiß ich immerhin eines ganz sicher: Wenn er morgens auf meiner Brust sitzt und mich mit diesen riesigen Augen ansieht, steckt hinter all der Zuneigung meistens auch die Hoffnung auf Frühstück.

