Magie sieht von außen oft leichter aus, als sie sich anfühlt. Ein kleiner Funke in Tikos Hand, ein ruhiger Wasserlauf unter Miras Fingern oder das schwache Leuchten meiner eigenen Adern kann beinahe mühelos wirken. Doch je stärker die Wirkung wird, desto deutlicher fordert sie etwas zurück.
Bei mir beginnt es meistens mit einem Ziehen unter der Haut. Meine Lichtadern reagieren auf gestörte Bindungen und alte Schwurorte, manchmal lange bevor ich verstehe, was dort falsch ist. Das Medaillon verstärkt diese Resonanz. Ich kann damit einen Schwur öffnen, Verbindung aufnehmen und spüren, ob ein Gefüge trägt oder auseinanderbricht.
Am deutlichsten habe ich das in Steinwacht erlebt. Als wir den neuen Schwurstein binden mussten, legte ich das Medaillon an den Stein und öffnete damit die Verbindung. Für einen Moment fühlte es sich an, als würde etwas Gewaltiges durch mich hindurch nach Enyria greifen. Die Schutzlinien antworteten, der Stein nahm den Schwur an, und ich musste diese Verbindung halten, obwohl meine Adern immer heißer wurden und meine Hände längst zu zittern begonnen hatten.
Genau darin liegt der Preis. Magie nimmt Kraft, Wärme und Konzentration, manchmal auch Blut, Schlaf oder die Klarheit von Erinnerungen. Das Gefährliche ist, dass man sich an die kleineren Folgen gewöhnt und irgendwann glaubt, noch ein wenig weitergehen zu können.
Bis der eigene Körper entscheidet, dass es genug ist.
In Enyria gehört der Preis deshalb immer zur Wirkung. Je mehr man von der Magie verlangt, desto mehr muss man bereit sein, selbst hineinzulegen.

