Mitternacht am Lichtbecken
By admin / Juni 13, 2026 / Keine Kommentare / Blogging, Enyria
Manchmal, wenn der Wald schläft und selbst die Stege aufhören zu knarzen, gehe ich allein zum Becken.
Einfach so. Weil es der einzige Ort ist, an dem ich für mich sein kann. Wo ich niemandem etwas erzählen muss und Fragen beantworten muss, sondern mit meinen eigenen Gedanken sprechen kann.
Das Wasser liegt ganz ruhig. Die Lichtlinien darunter glimmen schwach, und zaubern eine wunderbar beruhigende Atmosphäre herbei.
Ich setze mich an den Rand, ziehe die Stiefel aus und lasse mein Füße ins Wasser gleiten. Es ist kalt und sogleich wird mir warm.
Vael kommt lautlos dazu. Er schleicht sich immer lautlos an mich ran. Irgendwann liegt er einfach neben mir, warm und schwer, das Fell so dunkel, dass er im Schatten der Wurzeln verschwindet. Nur seine Augen leuchten. Zwei ruhige, goldene Punkte in der Schwärze.
Ich lege die Hand auf seinen Nacken. Er atmet tief ein und lässt die Luft langsam wieder heraus, als hätte er den ganzen Tag darauf gewartet, genau das tun zu dürfen.
„Du auch, hm?“, sage ich leise.
Er schaut mich an mit einem Blick der mich regelmäßig innerlich zerreißt. Ich liebe diesen Panther.
Das Medaillon an meinem Hals liegt warm auf meiner Haut. Es ist ruhig und schimmert ganz schwach.
Über uns hängt der Himmel zwischen den Kronen wie ein zerrissenes Tuch voller Sterne.
Ich weiß, dass es morgen wieder laut werden wird. Dass Fragen kommen, Entscheidungen, Blicke, die mehr von mir wollen, als ich geben kann.
Aber jetzt gerade ist nur das hier.
Wasser. Licht. Vael. Und die Stille eines Waldes, der mich kennt, seit ich atme.
Manchmal reicht das.

