Lagergold – Nachts im Lager
By admin / Mai 4, 2026 / Keine Kommentare / Blogging, Lagergold
Nach Feierabend ist das Lager nie wirklich still. Zwischen Hochregalen, Notbeleuchtung und Betonboden beginnt eine jener Geschichten, die man besser nicht allein liest.
Es gab diesen einen Gang im Lager, den niemand gern nahm, wenn die Spätschicht vorbei war.
Tagsüber war er nichts Besonderes. Regalreihe 17 bis 23, rechte Hallenseite, Mischpaletten, Retouren, saisonale Ware, ein paar überfüllte Stellplätze und ein Scanner, der dort hinten grundsätzlich kein Netz fand. Jennifer kannte jeden Meter davon. Sie wusste, welche Palette schief stand, welcher Eckschutz locker war und an welcher Stelle der Boden nach jedem Regen einen dunklen Fleck bekam.
Nachts war es anders.
Die Notbeleuchtung hing wie krankes Grün unter der Decke. Folie glänzte an den Paletten, als hätte jemand die Regale mit nasser Haut überzogen. Jennifers Schritte klangen viel zu laut auf dem Beton. Irgendwo knackte Holz. Dann wieder nichts.
Sie blieb stehen.
Eine Maus huschte aus dem Schatten, stoppte mitten im Gang und sah sie an.
„Na toll“, murmelte Jennifer. „Sogar du weißt, dass hier was nicht stimmt.“
Die Maus verschwand zwischen zwei Paletten.
Jennifer wollte weitergehen, doch da bewegte sich etwas über den Boden. Kein Mensch. Kein Tier. Nur ein Schatten, der aus einer Regalreihe glitt, sich zu lang über den Beton zog und dann in einem kurzen Zucken verschwand.
Sie hob langsam den Scanner.
Kein Empfang.
Natürlich nicht.
Hinter ihr klickte etwas.
Nicht laut. Nur dieses kleine, trockene Geräusch, als würde jemand einen Kartonmessergriff schließen.
Jennifer atmete aus.
Dann drehte sie sich um.
Lagergold erzählt von genau solchen Momenten: von Schichtende, Chaos, Humor, falschen Paletten, echten Geheimnissen – und davon, dass im Lager manchmal mehr verschwindet als nur Ware.

