Drachenfunken
By admin / Mai 4, 2026 / Keine Kommentare / Blogging, Drachenfunken
Nach dem Kampf mit Vulkaris
Ellie sagte kein Wort.
Sie saß auf der schmalen Liege im Hinterzimmer der Werkstatt, die Stiefel noch voller Dreck, die Hose verschmiert von Ruß und Öl. Ihre linke Schulter brannte bei jeder Bewegung, doch schlimmer war der Blick der Heilerin.
Zu ruhig. Zu genau. Zu lange.
„Wenn du mir jetzt sagst, ich soll mich ausruhen, beiße ich dich“, murmelte Ellie.
Die Frau tupfte weiter die Wunde aus. „Dann halte bitte den anderen Arm still, damit du beim Beißen nicht vom Bett fällst.“
Auf dem Schrank neben den Flaschen saß Sera. Er hatte sich klein gemacht, die Flügel eng an den Körper gelegt. Für ein Wesen, das sonst jede glänzende Schraube als persönliche Einladung verstand, war er unheimlich still.
Ellie sah zu ihm hinüber.
„Ich lebe noch“, sagte sie.
Sera antwortete mit einem leisen, beleidigten Fauchen.
„Ja, gut. Knapp zählt auch.“
Die Heilerin drückte das Tuch etwas fester auf die verletzte Stelle. Ellie sog scharf die Luft ein, sagte aber nichts. Vor ihrem inneren Auge sah sie wieder Vulkaris: die zerfetzten Schwingen, das blutige Licht in seinem Auge, die Ketten, die nicht für einen Drachen gemacht waren, sondern für ein Verbrechen.
Sie hatte ihn befreit.
Und dafür hatte er sie fast zerrissen.
Oder gerettet.
Bei Drachen war der Unterschied manchmal eine Frage des Timings.
„Diese Wunde ist nicht sauber“, sagte die Heilerin leise.
Ellie drehte den Kopf. „Natürlich nicht. Der Drache hatte keine Zeit, vorher seine Krallen zu polieren.“
„Ich meine nicht den Schmutz.“
Sera richtete sich auf.
Für einen Moment wurde es still im Raum. Nur die Lampe an der Wand zischte leise. Draußen ratterte irgendwo ein Wagen über das Pflaster, weit weg, als gehörte die Stadt jemand anderem.
Die Heilerin wusch das Blut vom Rand der Wunde. Darunter glimmte etwas.
Nicht hell. Nicht stark. Nur ein winziger blauer Funke unter Ellies Haut.
Ellie starrte darauf.
„Das ist neu“, sagte sie.
Sera sprang vom Schrank auf die Liege, so vorsichtig, wie ein kleiner Drache eben vorsichtig sein konnte. Er schnupperte an ihrer Schulter, legte den Kopf schief und gab einen Laut von sich, der erschreckend zufrieden klang.
Ellie sah ihn an.
„Oh nein“, flüsterte sie. „Sag mir nicht, dass das jetzt dazugehört.“
Sera blinzelte.
Die Heilerin nahm die Schüssel vom Tisch und trat einen Schritt zurück.
„Was immer Vulkaris dir mitgegeben hat“, sagte sie, „es ist nicht nur eine Verletzung.“
Ellie senkte den Blick auf den blauen Funken.
Dann lächelte sie schwach.
„Na wunderbar“, sagte sie. „Ich wollte schon immer ein medizinisches Problem mit Flügeln.“
Drachenfunken erzählt von Magie, Dampf, Drachen, Ärger und einer Heldin, die selbst dann noch eine freche Antwort findet, wenn ihr die Welt gerade unter die Haut kriecht.

